Geschichte der Schützenbruderschaft

Vereinsgründung und erstes Schützenfest

Die „neue Fahne“

Nach dem für Deutschland siegreichen Deutsch-französischen Krieg von 1870/71 war, wie in ganz Deutschland, so auch im Sauerland die vaterländische Begeisterung sehr groß. Diese Begeisterung führte an vielen Orten zur Gründung von Schützenvereinen, die es bis dahin (teilweise seit Jahrhunderten) schon vereinzelt in den Städten und größeren Dörfern des Sauerlandes gegeben hatte.

In Assinghausen wurde zwar schon 1871 ein Kriegerfest gefeiert, für das die Gemeinde „den hiesigen Kriegern 1 Taler als Beitrag aus der Gemeindekasse bewilligt“, doch zur Gründung eines Schützenvereins kam es erst im Oktober 1871.

Im Protokoll der Gründungsversammlung heißt es, dass sich die etwa 100 Anwesenden in die Aufnahmeliste eingetragen und die vorbereiteten Statuten mit 35 Paragraphen einstimmig angenommen haben.

Das erste Schützenfest


Auf der zweiten Generalversammlung am 1. April 1872 beim Gastwirt Würminghausen traf man die Vorbereitungen für das erste Schützenfest. Man beschloß, eine Fahne zu kaufen und jeder Schütze mußte sich zur Anschaffung eines Gewehres verpflichten. Die Restauration wurde für 55 Thaler auf zwei Jahre an den Bierbrauer Fritz Hanfland verpachtet und der Wiesenbauer erhielt den Auftrag, einen Festplatz zurechtzumachen.

So konnte wohlvorbereitet das erste Schützenfest am 21. Juli 1872 gefeiert werden, bei dem Franz Becker erster Schützenkönig von Assinghausen wurde.

Dieses erste Schützenfest muß schon am Platz der heutigen Schützenhalle gefeiert worden sein, denn im Februar 1872 hatte die Gemeinde der „Schützengesellschaft“ den Platz in den sogenannten Erlen als Schützenplatz unentgeltlich überlassen.

1919

Direkt nach dem ersten Weltkrieg, wurde ein Neuanfang gemacht. Innerhalb einer Woche fanden zwei Versammlungen statt, um alle Vorbereitungen für das Schützenfest zu treffen. In einer dritten Versammlung, die kurz nach dem Schützenfest stattfand, wurde dann der bisherige kleine Not- Vorstand durch einen neuen, größeren Vorstand ersetzt.

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches waren die Schützenvereine zunächst verboten. Nach einem Schützenfest- Provisorium im Jahre 1946 fand am 7 Juni

1947

die Neugründung der „St. Liborius Schützenbruderschaft Assinghausen 1871“ statt. Die Tradition der kurkölnischen, historischen Schützenbruderschaften sollte fortgeführt werden. Große Verdienste um den Wiederaufbau des Vereins erwarb sich Hubert Joch, der lange Jahre Hauptmann war.

Schon 14 Tage nach der Neugründung wurden in einer zweiten Versammlung Einzelheiten für das zu feiernde Schützenfest beschlossen, bei dem noch der Vorstand von 1937 amtierte. Eine dritte Versammlung am 31.8.1947 wählte dann einen neuen Vorstand.

Die neugegründete Schützenbruderschaft wurde 1948 ins Vereinsregister eingetragen. Sie schloß sich dem Sauerländer Schützenbund an.

Die Schützenbruderschaft Asinghausen umfaßt heute insgesamt 400 Mitglieder. Ihr gehören neben einigen auswärts wohnenden Mitgliedern fast alle männlichen Einwohner des Dorfes über 18 Jahre an, und sie kann als der bedeutsamste Faktor des dörflichen Vereinslebens angesehen werden.

Schützenfeste und Könige

Aus den ersten drei Jahrzehnten der Assinghauser Schützengeschichte ist nur wenig überliefert. Neben dem Namen des ersten Schützenkönigs sind aus dieser Zeit noch die Namen von 11 weiteren Königen bekannt. Ab 1902 ist die Liste der Könige lückenlos.

Auch damals schon muß der Vogel am Samstagabend aufgesetzt worden sein, denn an einen Schützen wird die Vogelwache vergeben.

1903

ist aber auch vom „Scheibenlaufen“ und vom Preisschießen die Rede, welches wohl zusätzlich zum Vogelschießen durchgeführt wurde. Das Scheibenschießen fand in den 20er Jahren bei der Halle an der Ruhr statt, da dieser Schießstand nach Aussage einer Polizeiakte „nicht konzessioniert“ war, wurde er wohl aufgegeben. In den 30er Jahren gab es dann einen neuen Schießstand bei der Vogelstange, der laut Polizeiabnahme als „gut geeignet“ bezeichnet wird. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Scheibenschießen nicht mehr durchgeführt.

1905

gab es einen Beschluß , daß es dem König freigestellt sei, „sich eine Königin zu nehmen oder nicht“, er erhielt für letzteren Fall aber auch nur das halbe Schußgeld . Im Jahre 1912 sollte sogar über einen Antrag zur Abschaffung der Königin abgestimmt werden, wozu es dann aber nicht kam. König und Königin wurden um diese Zeit schon um 8 Uhr abends mit Musik nach Hause gebracht und hatten „dieselben den Tag weiter keine Ansprüche zu erheben“.




1922

wurde das 50jährige Schützenfest gefeiert, zu dessen Vorbereitung man ein eigenes Festkomitee wählte. Zu diesem Jubiläum wurde eine neue Fahne gekauft, die damals 5688 Mark kostete. Das Schußgeld betrug 1922/23 700 Mark, im Jahre 1924/25 nur noch 60 RM, während ein Orden 5,90 RM kostete. Heute erhält der König 600 € Schußgeld .

1931

und in den nächsten beiden Jahren war es wegen der Weltwirtschaftskrise (bis 6 Mio Arbeitslose) nicht selbstverständlich, ein Schützenfest zu feiern. Man entschloß sich zwar doch dazu, aber mit Verzicht auf den Samstag.

1946

Der zweite Weltkrieg mit seinem großen Leid auch für viele Bewohner von Assinghausen unterbrach wieder die jährliche Folge froher Feste. Da es nach dem Zusammenbruch zunächst nicht gestattet war, den Schützenverein neu zu gründen, übernahm es 1946 der Turnverein, das erste Volksfest zu veranstalten. Im alten Steinbruch an der Vokelieth wurde der Vogel mit Steinen abgeworfen, und Erich Busch regierte als erster Schützenkönig.

1947

wurde der Vogel mit Holzknüppeln abgeworfen, während es von 1948 bis 1950 dem Vogel im Wettkampf um die Königswürde mit der Armbrust zu Leibe ging.

1950

sollte nur am ersten Festtag „kein Samba getanzt werden“. In diesem Jahr wurden auch erstmals die jetzigen Schützenmützen getragen, an deren Anschaffung aber noch jahrelang erinnert werden mußte .

Noch etwas läßt diese Jahr nicht vergessen. Der Vogel wurde von der Stange gestohlen. Wilhelm Birkhölzer stellte schnell einen neuen Vogel her, der dann bei der Schützenhalle abgeschossen wurde. Seit jenem Jahr wird der Vogel erst am Montag auf die Stange gesetzt. Von Samstag bis Montag wurde er zunächst vom jeweiligen Träger aufbewahrt, später erst im Hause Walter Deimel.

1951

knallten erstmals wieder die Gewehre unter der Vogelstange. König wurde der spätere langjährige Hauptmann, Paul Simon.

1959

trägt nun auch der König im Festzug nicht mehr den bis dahin obligatorischen Zylinder, sondern die Schützenmütze mit Kordel.

1960

wurde die Schützenmesse, die bis dahin am Montagmorgen stattfand, erstmals am Sonntagmorgen gefeiert, aber erst 10 Jahre später bei der Küsterlandkapelle.

1961

verlegte man den Schützenfesttermin vom 3. auf den 4. Sonntag im Juli. Friedrich Wilhelm Grimme überliefert schon, daß die Asker ihren Kirmestermin nach Jakobus (25. Juli) ausrichten.

1964

wurde die Gefallenenehrung wieder (wie schon in den 30er Jahren) beim Kriegerehrenmal durchgeführt.

1967

mußte eine alte Tradition aufgegeben werden. Bis dahin wurde der neue Schützenkönig, nachdem man vom Stein kommend das Dorf erreicht hatte, unter Hoffmanns Kastanie feierlich proklamiert. Da die Kastanie gefällt worden war, geschah die Königsproklamation nun direkt bei der Vogelstange.

1969

gab es auch bzgl. der Ständchen eine Änderung. Bis dahin fanden sie als sogenanntes „Wecken“ am frühen Sonntagmorgen statt, nun wurden sie auf den Samstagnachmittag verlegt.

1971

wurde das Schützenfest als 100jähriges Jubiläum der Schützenbruderschaft besonders groß gefeiert. Nach einem Festakt am Freitagabend schossen die ehemaligen Könige am Samstagmorgen um die Kaiserwürde, die von Paul Vorderwülbecke errungen werden konnte. Bei der Schützenmesse wurde die zum Jubiläum angeschaffte neue Fahne geweiht. Zum großen Festzug mit Schützenkaiser, Jubelkönigen und vielen ehemaligen Königen waren sechs Nachbarvereine anwesend.